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Das Versprechen der vernetzten Lebensmittelbranche

Connected food Interview

Die Lebensmittelbranche brummt vor Aktivitäten für die Digitalisierung in jeder Hinsicht, vom Bauernhof bis zur Titelseite des Online Stores. Wir haben Haiao Ding, Associate Chief Editor bei der Digital Business Times, eingeladen, um mit Perry Zhang, Principal, Strategic Partnerships bei u‑blox, eine Diskussion über den Einfluss der Digitalisierung auf die Lebensmittellieferkette zu führen.

Das Interview wurde für die Veröffentlichung in unserem Blog editiert und zusammengefasst. Eine detailliertere Version finden Sie in unserem u‑blox Magazin, Vernetzte Lebensmittel (Connected Food).

Kann das IoT dazu beitragen, Lebensmittelverluste und -verschwendung entlang der gesamten Lebensmittellieferkette zu vermeiden?

Perry ZHANG: Der Verlust von Lebensmitteln ist ein grosses Problem in der Nahrungsmittelbranche. Einige Statistiken zeigen, dass mehr als 30 Prozent der Lebensmittel im Verlauf der gesamten Produktion und während des Transports verdirbt. Neue Technologien können der Branche helfen, Lebensmittel zu sparen und die Effizienz zu verbessern. So hat beispielsweise einer unserer Kunden eine Box für Tiefkühlkost entwickelt, mit der er die Temperatur-, Feuchtigkeits- und Lichtverhältnisse während des gesamten Logistikprozesses überwachen kann. Wenn zu irgendeinem Zeitpunkt im Logistikprozess die Temperatur über einen voreingestellten Bereich hinausgeht, wird ein Alarm ausgelöst, gefolgt von entsprechenden Massnahmen zur Anpassung von Umgebungstemperatur und -bedingungen

Haiao DING: Wird die Lebensmittelverwertung erhöht, wenn das Management der Lebensmittellieferkette präziser wird? Ein inländisches Unternehmen, das sich mit intelligenter Logistik beschäftigt, hat kürzlich ein neues Produkt auf den Markt gebracht, um Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Qualität von Frischeprodukten zu kontrollieren und den Verlust von Lebensmitteln beim Transport zu minimieren. Wenn es diese Technologie ermöglicht, jeden Punkt an jedem Glied der Lebensmittellieferkette ohne menschliche Eingriffe zu erfassen, zu kontrollieren und anzupassen, können Unternehmen ihre Effizienz verbessern und den Verlust von Lebensmitteln beim Transport reduzieren. Ab einem gewissen Schwellenwert, der durch diese Senkung erreicht wird, werden die Lebensmittelabfälle in der gesamten Lebensmittellieferkette vernachlässigbar. Ich könnte mir vorstellen, dass dies passieren könnte, sobald die Nutzung von IoT ein ausgereiftes Niveau erreicht.

Welche technologischen Innovationen halten Sie für besonders wichtig für eine intelligente Lebensmittellieferkette?

Perry ZHANG: Aus meiner Sicht hat die Wireless‑Technologie LPWA (Low‑Power‑Wide‑Area) der Nahrungsmittelbranche die grössten Vorteile gebracht. LPWA‑Technologie kann die Grösse und den Energieverbrauch der Batterien erheblich reduzieren und so die Lebensdauer herkömmlicher Überwachungsgeräte oder Tracker enorm verlängern. Mit der LPWA‑Technologie können wir ein Halsband mit einem integrierten LPWA‑Modul um den Hals jeder Milchkuh legen. Damit sind wir in der Lage, ihren physischen Zustand zu überwachen und Daten, einschliesslich ihrer Körpertemperatur und Atemfrequenz, an den Server zu senden, um festzustellen, wann sie brünstig ist. Einer unserer Kunden, ein Molkereiunternehmen in Ningxia, hat eine solche NB‑IoT‑basierte Lösung eingesetzt und damit seine Milchproduktion deutlich gesteigert.

Haiao DING: Unterschiedliche Szenarien erfordern unterschiedliche Technologien wie IoT, künstliche Intelligenz, Cloud Computing oder Big Data, die alle in der gesamten Lebensmittellieferkette weit verbreitet sein werden. Es gibt ein eCommerce‑Unternehmen, das KI‑Technologien in einem experimentellen Projekt mit unbemannten Lieferfahrzeugen einsetzt. Big Data spielt eine ähnlich wichtige Rolle im Marketing: Supermärkte ohne Verkaufspersonal und neu entstehendes Self‑Retail bzw. Self‑Shopping zielen darauf ab, den Wert von Daten zu nutzen. Wir können erkennen, dass alle möglichen Technologien im IIoT der Lebensmittelbranche eine Rolle spielen, aber jede einzelne ist auf verschiedene IIoT‑Szenarien anwendbar.

Wie und bis wann könnten diese Technologien Ihrer Meinung nach weltweit implementiert sein?

Perry ZHANG: Gemäss der GSMA[1] haben 30 Betreiber weltweit 60 kommerzielle Narrowband IoT- (NB‑IoT-) und LTE‑M-Netzwerke implementiert. Die meisten Betreiber im asiatisch‑pazifischen und europäischen Raum implementieren NB‑IoT‑Netze, während die Betreiber in Nordamerika LTE‑M einsetzen. Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass die IoT‑Technologien, insbesondere LPWA, reif sind für ein explosionsartiges Wachstum an Anwendungen.

Haiao DING: Wie kann IoT die grösste Entwicklung in der Lebensmittelbranche erreichen? Wir sollten darauf achten, an welchem Punkt IoT‑Technologien auf der horizontalen Achse den Geschäftswert eines Unternehmens maximieren und dem Unternehmen helfen können, Kosten zu minimieren. Genau an dieser Stelle werden sich die Anwendungen von IoT‑Technologien rasend schnell vermehren. Bisher haben wir eine breite Anwendung des IoT in der Logistik und Verarbeitung erkannt. Und ich möchte darauf hinweisen, dass in China Logistik und Produktion die Einführung von IoT in der Lebensmittelbranche beschleunigen werden. Allerdings ist es schwer, Vorhersagen zu treffen, wann diese explosive Zunahme stattfinden wird, weil sich ständig neue Technologien entwickeln.

Wie können wir die Sicherheit von Nahrungsmitteln garantieren, von der Herstellung bis zum Transport?

Perry ZHANG: Von Zeit zu Zeit treten Vorfälle in der Lebensmittelsicherheit auf. In der Regel wissen wir nicht, woher Nahrungsmittelprodukte kommen. Wenn Sie aber die Quelle eines Produkts nicht kennen, können Sie auch nicht herausfinden, was den Vorfall verursacht hat. IoT kann in dieser Branche tatsächlich etwas bewirken, indem es eine durchgängige Verwaltung und Kontrolle ermöglicht und Datentransparenz sowie Authentizität über die gesamte Lieferkette hinweg realisiert.

Und es gibt noch einen weiteren sehr wichtigen Faktor. Viele Glieder in der Nahrungsmittelbranche sind isolierte Inseln. Beispielsweise gibt es wenig Wechselwirkungen zwischen Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, Logistik, Verteilung und Verkauf, so dass die Verfolgung, woher ein Produkt kommt, wohin es geht und wann, schwierig ist. Aber diese Fakten stehen in direktem Zusammenhang mit der Sicherheit unserer Lebensmittel. Daher brauchen wir dringend eine Reihe von Technologien – einschliesslich IoT – zur Verbindung dieser Inseln, sowie Big Data und die Cloud, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, damit die Kontrolle über den gesamten Prozess der Lebensmittellieferkette möglich wird.

Haiao DING: Um das Problem der Lebensmittelsicherheit anzugehen, sollten wir der Vereinheitlichung der Standards in der gesamten Lebensmittellieferkette Vorrang einräumen. Andernfalls haben verschiedene Sektoren unterschiedliche Auffassungen zur Lebensmittelsicherheit. Die Datensicherheit ist ein wichtiger Faktor, um die Lebensmittelsicherheit in der gesamten Lebensmittellieferkette sicherzustellen. Denn wenn jeder in der Lieferkette die Lebensmitteldaten sehen und teilen kann und sicherstellen kann, dass sie exklusiv und effektiv sind, in Echtzeit vorliegen und nicht verfälscht werden können, dann kann die Lebensmittelsicherheit durchgängig gewährleistet werden.

Perry ZHANG: Es sind bereits eine Reihe von Vorfällen im Bereich der Lebensmittelsicherheit in Unternehmen aufgetreten, bei denen Lebensmitteldaten gefälscht wurden. Wir sind überzeugt, dass Big Data und die Blockchain, ein hochaktuelles Thema, hier eine sehr wichtige Rolle spielen können. Wir glauben, dass die Blockchain in der gesamten Lebensmittelbranche gute Anwendungsmöglichkeiten haben wird, da sie ein einheitliches und konsistentes Datenmanagement entlang der gesamten Lebensmittellieferkette bietet.

Wie sehen Sie die Zukunft der intelligenten Lebensmittellieferkette?

Perry ZHANG: Die Blockchain kann eine End‑to‑End‑Kontrolle über die gesamte Lebensmittellieferkette hinweg realisieren. Dazu benötigt sie aber Daten, die über das IoT, insbesondere über LPWA, gesammelt werden müssen. Aufgrund seiner Low‑Power‑Wide‑Area‑Funktion kann LPWA an jedem Punkt der Lebensmittelbranche eingesetzt werden, von der Produktion über die Logistik bis hin zum Verkauf, um Daten an den Anwendungsserver zu übertragen, der die gesamte Blockchain steuert und verwaltet.  

Haiao DING: Vor etwa 10 Jahren, nach der Einführung von QR‑Codes, geschah eine Entwicklung praktisch über Nacht: Fast alle in Supermärkten verkauften Lebensmittel trugen plötzlich QR‑Codes. Alle über das mobile Internet gesammelten Daten können inzwischen eine wichtige Rolle in jeder Branche übernehmen, die dafür Bedarf hat.

Was das gesamte Umfeld betrifft, so denke ich, dass die intelligente Lebensmittellieferkette bald ein explosives Wachstum verzeichnen wird, wobei neue Technologien entstehen werden, um Lücken zu schliessen und sicherzustellen, dass das starke Wachstum ein nachhaltiger Prozess mit zunehmender Dynamik wird.

Perry ZHANG: Ich glaube, die Anwendung neuer Technologien in der Lebensmittelbranche steckt noch in den Kinderschuhen. Wir sehen, dass das IoT in einigen Gliedern der Lebensmittellieferkette bereits implementiert wurde. Meiner Meinung nach wird sein wahrhaft explosives Wachstum jedoch erst dann eintreten, wenn alle Glieder der Lebensmittellieferkette IoT einsetzen.

Das komplette Interview können Sie in „u“, dem Magazin von u‑blox, lesen.

Interview ansehen:

 

 

[1] Global System for Mobile Communications Association