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Es ist wie Ebbe und Flut – es ist unaufhaltsam.

Global IoT Applications ublox blog

Haben Sie sich schon einmal überlegt, wohin sich unsere schöne neue vernetzte Gesellschaft entwickelt? Wir haben uns mit Greg Williams, Chefredakteur von Wired, und Paul Gough, Principal, Corporate Strategy von u‑blox, an einen Tisch gesetzt, um einige der Anwendungen von morgen anzusehen, die damit ermöglicht werden können.

Was ist neu an der heutigen vernetzten Gesellschaft?

PAUL GOUGH – Die Menschen waren schon immer vernetzt, aber die moderne Technologie hat für eine Erweiterung dieser Verbindungen gesorgt. Die Konnektivität von heute ist die Grundlage, auf der wir komplett neue persönliche und gesellschaftliche Dienste aufgebaut haben.

GREG WILLIAMS – Ich glaube der entscheidende Unterschied heute ist die Grössenordnung. Wir haben diese Geräte immer in der Hand. Das erweitert uns menschliche Wesen in unseren Fähigkeiten. Wir haben Zugriff auf den leistungsfähigsten Computing‑Stack, den es je gab, auf alle Informationen, die die Welt je erzeugt hat, und auf nahezu jeden, der im Internet ist. Und dann sind da noch alle Daten, die wir erstellen. Wenn wir das bewusst öffnen können und erreichen, dass sie gemeinsam genutzt werden können, könnten wir die Welt, ganz ehrlich, besser machen – und unsere Unternehmen effizienter.

Welche Art von Technologien ermöglichen „vernetzte Personen“?

P.G. – Noch vor kurzem konzentrierte sich Konnektivitätstechnologie auf schnelleren und verbreiteteren Zugang. Wir entwickelten uns von 2G zu 3G zu 4G. Aber jetzt sehen wir Unternehmen wie u‑blox, die neuartige Geräte herstellen, welche wirklich wenig Strom verbrauchen und erheblich kleiner und kostengünstiger sind. Wir können jetzt also daran denken, andere Objekte, beispielsweise Sensoren, mit dem Internet zu verbinden. Wir werden eine Welt erleben, die deutlich quantifizierter ist, sowohl mit Blick auf unsere unmittelbare Umgebung als auch unsere persönliche Räume.

G.W. – Wir werden an einem Punkt ankommen, an dem wir nahezu alles mit Hilfe winziger Sensoren messen können, die uns über die Luftqualität informieren oder mitteilen, wenn die Mülltonne geleert werden muss. Es ist die Frage, wie wir herausfinden, was sinnvoll ist.

Paul Gough und Greg Williams Interview u‑blox MagazinWie schätzen Sie die Entwicklung von Wearables ein, die einen grossen Anteil am Markt der „vernetzten Personen“ haben?

P.G. – Die Geräte von heute sind immer noch ziemlich klobige, unhandliche Stromfresser. Wir brauchen eine weitere Generation von Technologie, die sie auf eine ganz andere Stufe verkleinert, energieeffizienter macht und andere Technologien nutzt, wie etwa flexible Elektronik.

G.W. – Wir sind fast schon bei der vierten Iteration der Apple Watch angekommen und ich glaube, das ist erst der Anfang. Also jetzt entwickelt sie sich erst in eine Richtung, in der sie wirklich eine Anwendung hat. Wie bauen wir eine derartige Konnektivität in Kleider und Geräte ein, die wir auf der Haut tragen? Besonders interessant wird es, wenn die Geräte nicht nur passiv sind, sondern uns zu verschiedenen Arten von Aktivitäten animieren, wenn sie Vorhersagen über den Gesundheitszustand machen oder uns sagen, dass wir uns anders verhalten sollten.

Angesichts der Tatsache, dass z. B. mit Wearables, die den Gesundheitszustand verfolgen, jede Menge Big Data gesammelt werden, was meinen Sie zu Sicherheits- und Datenschutzproblemen?

P.G. – Kunden wollen heute die technischen Daten Ihres Geräts wissen, aber auch, was Sie in Bezug auf die Sicherheit unternehmen. Die Sicherheit hat sich zu einem Qualitätsproblem entwickelt.

G.W. – Das zielt auf ein noch grösseres Problem hin: den Datenschutz. Dort ist gerade eine Veränderung im Gang. Ich bin sehr überzeugt davon, dass es öffentliche und regulatorische Anforderungen geben wird, dass Unternehmen aus dem Silicon Valley wesentlich weniger Daten extrahieren dürfen als das derzeit der Fall ist, und dass sie mehr der Daten, die sie tatsächlich extrahieren, teilen müssen. Das Bewusstsein für den Datenschutz ist gestiegen, bei der Sicherheit ist es noch nicht ganz so weit. Damit müssen wir uns alle noch auseinandersetzen. Und es geht hier nicht nur um Hersteller oder Verbraucher oder Behörden – das geht ALLE an.

Die ständige Erfassung von Daten kann als starker Eingriff in die Privatsphäre empfunden werden. Wieviel können wir noch selbst steuern und wann wird es zu viel?

P.G. – Ich denke, diese neue Welle von Geräten und das ganze Problem mit den erzeugten Daten hat eine Eigendynamik, die immer weitergeht. Es ist wie Ebbe und Flut, es ist unaufhaltsam. Sieht man es positiv, so wird es beispielsweise möglich, mit diesen zusätzlichen Daten bei Krankheiten frühe Diagnosen zu stellen. Aber dabei gibt es auch Verpflichtungen. Ich glaube allerdings, dass es keine Möglichkeit gibt, Big Data zu vermeiden.

G.W. – Es ist unvermeidbar wegen unserer Vorgehensweise, indem wir alles mit Sensoren ausstatten. Allerdings glaube ich, dass es jetzt ein Umdenken gibt, weil die Verbraucher mehr Zugang zu ihren Daten verlangen und genau wissen wollen, wie sie genutzt werden. Auch verstehen sie inzwischen, dass ihre Daten das Produkt sind – dass sie selbst das Produkt sind.  Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich finde ganz viel am Internet ganz toll. Schauen Sie nur, wie Informationen geteilt werden können und wie Informationen in Erfahrung gebracht werden können. Ich glaube allerdings auch, dass wir drei oder vier Unternehmen haben, die im Endeffekt die Türhüter des Internet sind. Die Dinge müssen sich etwas ändern, was den Zugang und die Macht betrifft, die sie über Verbraucher haben.

Welche Entwicklung sehen Sie für die „vernetzten Personen“ in den nächsten zehn Jahren?

G.W. – Mit künstlicher Intelligenz kommen wir inzwischen zu dem Punkt, an dem unsere Maschinen und Systeme anfangen, unsere Bedürfnisse vorauszuahnen, und zwar auf eine Art und Weise, die selbst vor fünf Jahren noch nicht möglich war. Wir reden schon geraume Zeit über künstliche Intelligenz, aber jetzt sehen wir, dass Produkte hergestellt werden, die uns wirklich deutliche Vorteile bringen. Ich glaube, dass Augmented Reality definitiv in unser Leben Einzug halten wird, weil es eine Anwendung hat. Ich kann nicht erkennen, dass der Siegeszug des Smartphones aufhören könnte. Es ist das beste Gerät, das wir je gemacht haben. Es hat zum Wachstum einer gigantischen Lieferkette beigetragen, die verantwortlich für Vieles ist, was in der Welt des IoT und der vernetzten Geräte momentan abläuft. In zehn Jahren werden wir wahrscheinlich immer noch Smartphones mit uns herumtragen.

P.G. – Die Geräte werden mit Sicherheit intelligenter werden. Geräte mit Funk haben Multi‑Radio‑Fähigkeit und können inzwischen mehrere Frequenzen und Übertragungsstandards verarbeiten. Wenn sie Informationen übertragen müssen, tun sie das möglichst effizient, mit wenig Energieverbrauch oder möglichst schnell, je nach Kontext. Ich glaube, dasselbe wird bei den Mikroprozessoren geschehen, mit denen wir heute arbeiten und die auf standardmässiger von Neumann‑Architektur basieren. Schlussendlich werden wir neuromorphe Prozessoren erhalten.

G.W. – Ich glaube, autonome Fahrzeuge werden unsere Städte, unsere Mobilität und unsere Energienutzung fundamental verändern. Und das kann vielleicht noch umwälzender sein als das Smartphone, weil es im Endeffekt unsere gebauten Umgebungen verändert. In 15 bis 20 Jahren werden wir vielleicht unsere gebauten Umgebungen noch erkennen, aber sie werden auf total andere Weise funktionieren.

P.G. – Die künstliche Intelligenz ist aus ihrem Winterschlaf aufgewacht. Es gibt tiefgreifendes Lernen, wir können es grössenmässig anpassen und plötzlich kann die künstliche Intelligenz die Bilderkennung genauso gut wie wir. Das Auto wird vermutlich die künstliche Intelligenz, Sensoren und Sensorfusion antreiben. Und Ihr Auto und Ihr persönlicher Assistent in Ihrem Telefon werden nahtlos miteinander interagieren. Elon Musk bei Tesla hat der Industrie neuen Elan verpasst. Er kam einfach daher und zeigte, was alles möglich ist, wenn man nur kühn genug ist. Es ist interessant, dass die Industrie reagiert hat.

Lesen Sie das gesamte Interview in der Connected People‑Ausgabe des u‑blox Magazins: https://www.u‑blox.com/en/downloads