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Mit stationslosen Mietfahrrädern hat IoT die Strassen Chinas und anderer Länder erobert

IoT_bicycles

Stationslose Mietfahrräder findet man in immer mehr Grossstädten in aller Welt. Registrierte Nutzer der Dienste können mit dem Smartphone ein Fahrrad in der Nähe aufschliessen, mit diesem zu ihrem Ziel fahren und es dann einfach dort stehen lassen.

Stationslose Mietfahrräder sind nicht nur erschwinglich und bequem für ihre Nutzer, sondern sie sind auch ein hervorragendes Geschäft. Die weltweit führenden Anbieter für stationslose Mietfahrräder, Ofo und Mobike, beide mit Hauptsitz in China, haben ihre Tätigkeit intensiviert und ihre Flotten in 250 Städten in 21 Ländern vergrössert.

Zum vertrauten Anblick in China gehörte in der Vergangenheit, dass die Städte voll mit Fahrrädern waren. Das änderte sich in den 1990er Jahren mit dem massiven Wachstum der Automobilindustrie, wodurch sich mehr und mehr Autobesitz etablierte. Aber in letzter Zeit rückten die Luftverschmutzung und verwandte Umweltprobleme in den Blick, was die Chinesische Regierung dazu anregte, eine klimafreundliche Wirtschaft zu fördern. Das Konzept der stationslosen Mietfahrräder, das 2016 auftauchte, ist ein direktes Ergebnis dieser Strategie. China hat sich seither als weltweit führend im Bereich Bikesharing etabliert, wobei die Führung lokale Unternehmen übernommen haben, die gerade dabei sind, das boomende Geschäftsmodell auf Überseemärkte auszuweiten.

Gesellschaftliche und ökonomische Faktoren haben ebenfalls ihren Beitrag geleistet, von einem riesengrossen, einheimischen Markt und hoher Bevölkerungsdichte bis hin zur Digitalisierung und hoher Marktdurchdringung bei Smartphones sowie verbreitet genutzten mobilen Zahlungssystemen. Und bei jungen Leuten gelten „green mobility“, Ausgehen mit einem Smartphone und einem Mietfahrrad als cool.

Ein Produkt unserer Zeit
Während die Idee eines geteilten, stationslosen Mietfahrrads keineswegs neu ist, stellt die heutige Iteration der Idee in der Tat ein Produkt unserer Zeit dar. Die Bikesharing‑Begeisterung schwimmt auf der Welle der Sharing Economy mit und nutzt Technologien, die das Internet of Things antreiben. Diese Begeisterung begann, sobald die Technologie, die die Skalierung eines Dienstes für Shared Bikes auf ein lukratives Niveau ermöglichte, ausreichend ausgereift war.

Nutzer derartiger Mietfahrräder können ein Fahrrad mit Hilfe ihres Smartphones aufschliessen. Aber da es keine Stationen für die Fahrräder gibt, müssen ihre Nutzer sie zuerst finden. Dasselbe gilt für die Personen, die verantwortlich für die Umverteilung der Fahrräder in der Stadt sind, da sie sich zwangsläufig an beliebten Plätzen ansammeln. Shared Bikes sind also abhängig von erschwinglicher und doch genauer Satellitenpositionierung. Heute nutzen alle Bikesharing‑Unternehmen GNSS‑Chips, um ihre Fahrräder zu orten. Darüber hinaus benötigen Mietfahrräder Wireless‑Kommunikationstechnologie, um die Nutzer zu validieren und ihren Status in die Cloud zu melden.

Und wie wird es weitergehen?
Wie die Financial Times kürzlich berichtete, haben Ofo und Mobike, die Branchenführer bei stationslosen Mietfahrrädern, 19 Mio. neue Fahrräder im Verlauf der letzten beiden Jahre hergestellt. Der gebotene Komfort hat Millionen Menschen in China ermöglicht, zum ersten Mal ein Fahrrad zu benutzen. Und die gelben und silberfarbenen Fahrräder, die jetzt in den Strassen von mehr als 200 Städten weltweit anzutreffen sind, haben sich schnell zu einem der sichtbarsten Technologie‑Exporte aus China entwickelt.

Während das Wachstum des Sektors explodierte, verlief diese Entwicklung keineswegs nachhaltig, denn z. B. Startups wie Bluegogo gingen Ende 2017 vom Markt. Aber gemäss einem vor kurzem veröffentlichten Bericht von Cheetah Lab, einer globalen Forschungsorganisation für mobile Daten, wird die Anzahl der Nutzer von Shared Bikes auf der ganzen Welt weiterhin steigen: von 227 Millionen in 2017 auf 306 Millionen bis 2019. Insbesondere sieht Cheetah Lab riesiges Potenzial in Überseemärkten, wobei nach Schätzungen die Bikesharing‑Branche einen Spitzenwert für Nutzer in Übersee um das Fünf- bis Zehnfache in den nächsten zwei Jahren erreichen könnte.

Es sind aber noch Herausforderungen zu bewältigen, wie etwa lockere Vorschriften zum Parken der Fahrräder und schlechtes Verhalten der Nutzer. Der Markt der stationslosen Mietfahrräder befindet sich, relativ gesehen, natürlich noch in den Anfängen. Daher haben die Regierungen noch keine Zeit gehabt und entsprechende Gesetze erlassen sowie behördliche Anforderungen aufgestellt. Das wird aber zweifelsohne demnächst geschehen, während dieser Markt weiterhin boomt.