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Gefälschte Module im Distrikt Huagiangbei in Shenzhen aufspüren

Shenzhen's Huagiangbei district

Der Distrikt Huagiangbei in Shenzhen ist ein Mekka für Maker – Hobbyerfinder, Hardware‑Hacker und Hobbybastler, die sich voll und ganz der Elektronik verschrieben haben. Der Distrikt ist auch bekannt unter dem Namen „Silicon Valley der Hardware“. Die Strassen von Huangiangbei bestehen aus pulsierenden Strassenschluchten mit Hochhäusern und mehrstöckigen Gebäuden. Wenn Sie das 72 Stockwerke hohe Gebäude Saige (SEG) Electronics Market Plaza betreten, einen eher symbolträchtigen Turm des Distrikts, finden Sie ein Gewirr an Elektronik‑Shops vor, das die ersten acht Stockwerke des Gebäudes in Beschlag nimmt.

In den Gängen zwischen den kleinen zwei auf zwei Meter grossen Ständen können Sie beobachten, wie die Verkäufer ihre Waren in Kartons für ihre AliExpress‑Kunden verpacken, wobei das Quietschen des Packbands beim Abziehen von den Rollen allgegenwärtig ist. Wenn Sie sich an den Ständen umsehen, die jeweils einen einzigen Produkttyp vertreiben, von Kabeln zu Steckern, von mechanischen Teilen zu Maker‑Boards, von LEDs zu PCBs, so fällt Ihnen sicherlich auch auf, dass sämtliche Regeln zum Umgang mit anfälligen Elektronik‑Bausteinen gebrochen werden, ob es nun Personen sind, die auf den Theken schlafen, oder Verkäufer, die Teile bzw. Stecker mit den Händen aus grossen Plastiktüten fischen, oder wiederum Andere, die Steckerteile von Hand mit Zangen verbiegen.

Huagiangbei‑Distrikt in ShenzhenAber wenn Sie ein Maker sind, interessieren Sie sich wahrscheinlich nicht für das ganze Chaos, sondern feilschen gleich um die Teile für Ihr nächstes Projekt.

Auf doppelter Mission

Ich war Anfang November 2017 in Liuxiandong, 20 km von Huagiangbei entfernt, zu einem Treffen mit Vertretern von Seeed Studio, einem in Shenzhen ansässigen Distributor für Mikroelektronik‑Bauelemente für die internationalen Entwickler und Maker Communities, das ebenfalls Hardware entwickelt und Fertigungsdienstleistungen anbietet. Wir führten abschliessende Diskussionen zu zwei ihrer neuen Maker‑Boards, die beide Technologie von u‑blox nutzen. Das erste kombiniert zwei Module von u‑blox – eines für GNSS, das andere für gleichzeitige NB‑IoT-/LTE Cat M1‑Konnektivität – zu einem drahtlosen Asset Tracker. Beim zweiten Board handelt es sich um ein a Raspberry Pi LTE Hat‑Modul für LTE Cat 1‑Konnektivität.

Da ich nun mal in der Nähe war, beschloss ich, zum Saige‑Gebäude zu gehen, nicht für ein Maker‑Projekt, das ich im Kopf hatte, sondern auf der Suche nach etwas anderem, für das Huagiangbei bekannt ist, etwas, das Unternehmen wie u‑blox schwer zu schaffen machen kann: Imitate.

Bis zu dem Zeitpunkt, als unser GNSS‑Modul NEO‑6M den Drohnensektor im Sturm eroberte, waren wir vor Imitaten einigermassen verschont geblieben. Inzwischen sind gefälschte NEO‑6Ms überall im Internet vertreten. Sie können sie in eBay, Alibaba oder AliExpress finden. Typischerweise werden Sie unter dem Marktpreis verkauft. manchmal auf vormontierten Maker‑Boards. Während einige Hersteller von Imitaten schlechte Kopien machen, setzen sich andere voll und ganz dafür ein, dass ihre Fälschungen so nahe wie möglich an das echte Produkt heranreichen. In jedem Fall ist jedoch das Ergebnis für Unternehmen wie u‑blox dasselbe: qualitativ minderwertige Module mit unterdurchschnittlicher Leistung nagen am guten Ruf des Unternehmens und werden anstelle der echten Komponenten verkauft.

Drei Stufen bei Fälschungen

Allgemein gesagt haben wir drei Stufen bei Fälschungen ausgemacht. Im ersten Fall werden Pin‑kompatible Module von Drittanbietern als „kompatibel zu u‑blox“ verkauft. Hier werden noch keine Markenrechte verletzt, da die Module, die entweder auf Technologie von u‑blox oder Dritten basieren, über ihr Etikett (bzw. das fehlende Etikett) klar als Produkte erkennbar sind, die nicht von u‑blox stammen. Bei der zweiten Stufe bei Fälschungen werden ältere Generationen von Produkten neu etikettiert, damit sie wie neue Produkte aussehen. Diese basieren zwar auf echten u‑blox Modulen, bieten aber weder die Leistung, noch die Qualität, noch die Features der u‑blox Komponenten, die auf dem Etikett erscheinen.

Die dritte Stufe ist die schlimmste: Module, die echten Modulen täuschend ähnlich sehen – einschliesslich Etikett und anderer Merkmale – die aber Chips von Drittanbietern enthalten. Auf den ersten Blick sind sie schwer zu unterscheiden, aber ihr Silizium, ihre Software und ihre Schnittstellen sind zu denen authentischer Module nicht vollständig kompatibel. Ausserdem sind sie nicht zu Software und Diensten von u‑blox kompatibel, einschliesslich Firmware‑Updates, und ihre Leistung ist häufig unterdurchschnittlich. Normalerweise können sie durch eines von mehreren Indizien, die ich hier nicht nennen möchte, erkannt werden, aber das erfordert ein geübtes Auge. Selbst dann kann ein endgültiges Urteil erst dann gefällt werden, wenn sie mit unserer Evaluierungssoftware u‑center ausgewertet oder im Labor zerlegt werden.

Gefälschtes u‑blox Modul im Distrikt Huagiangbei in ShenzhenBei meinem Rundgang durch die Gänge im Saige‑Gebäude in Huagiangbei fiel mir ein Board von der Grösse einer grossen Briefmarke ins Auge. Darauf befand sich ein Logo von u‑blox. Ich kaufte das GY‑NEO6Mv2 GNSS‑Board für 35 Renminbi, ca. 5.30 USD – ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass das NEO‑6M allein schon teurer ist. Das Modul auf dem Board sah überzeugend aus. Das Etikett war gut gemacht, allerdings ging die Tinte etwas zu einfach ab. Ich beschloss, das Modul für Tests zurück in die Schweiz zu bringen.

Eine erste Untersuchung bestätigte meinen Verdacht: das Imitat enthielt einen Chip, der ganz klar nicht der UBX‑G6010‑ST Chip war, der im Original verwendet wird. Eine Auswertung mit unserer Inhouse‑GNSS‑Evaluierungssoftware u‑center bekräftigte mein Fazit. Die Startup‑Meldungen, die der Chip ausgab, passten nicht zu denen des NEO‑6M.

Wie können wir uns wehren?

Was können wir unternehmen, um die Anzahl der enttäuschten Maker klein zu halten, die (unwissentlich) mit Imitaten statt mit echten Modulen arbeiten? Die Maker Community, besonders diejenigen Teilnehmer, die ihre Komponenten in Huagiangbei oder über Online‑Shops wie AliExpress beziehen, spielt dabei eine Rolle. Wenn sich die getäuschten Käufer bei jedem Imitat beschweren und eine Rückerstattung bzw. eine echte Komponente verlangen, sind Anbieter von Fälschungen gezwungen, die Authentizität ihrer Produkte zu prüfen, um schlechte Bewertungen und schädliche Kommentare online zu verhindern. Unsere Online‑Shops und Distributoren sind selbstverständlich zuverlässige Quellen für echte Komponenten. Und wir glauben, dass unsere Partnerschaften mit Seeed Studio, Arduino und Particle, einigen der Top‑Anbieter für Maker weltweit, ein weiterer Schritt in die richtige Richtung sind. Dadurch werden Maker‑Boards auf Basis von echten u‑blox Komponenten zu einem attraktiven Preis verfügbar für ein breites Publikum.