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eCall: Wie gut wäre das denn, wenn Ihr Auto Hilfe herbeirufen könnte?

eCall

In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Verkehrstoten drastisch gesunken, dank einer wachsenden Anzahl von Sicherheitsfeatures an Bord, von Sicherheitsgurten über Airbags bis hin zu neueren Spurhalte‑Assistenzsytemen. Aber auch im europäischen Strassennetz, dem sichersten der Welt, verlieren über 25'000 Menschen jedes Jahr ihr Leben. Darüber hinaus werden weitere 135'000 Menschen schwer verletzt.

Bei einem schweren Unfall zählt jede Minute. Verzögerungen können über Leben und Tod entscheiden. Die Situation ist am schlimmsten für diejenigen, die ausser Gefecht in ihren Fahrzeugen liegen und ihr Telefon nicht erreichen können, insbesondere wenn sie sich zufällig auf dem Land auf einer wenig befahrenen Strasse befinden. Wie gut wäre das denn, wenn stattdessen das Auto Hilfe herbeirufen könnte?

Die gewonnene Zeit hätte enorme Auswirkungen. Rettungsteams könnten in städtischen Bereichen um 40 % schneller, in ländlichen Bereichen um 50 % schneller vor Ort sein, weil ein Notruf ohne Verzögerung abgesetzt und der Standort klar und deutlich mitgesendet wird, erläutert der Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz der EU in einer Pressemitteilung. Schätzungsweise 2'500 Menschenleben könnten gerettet, unzählige Verletzungen könnten schneller versorgt und die Kosten für die Allgemeinheit könnten um 20% gesenkt werden.

Diese Idee, die seit langem in der Entwicklung ist, wurde im April 2018 in ganz Europa und Russland verpflichtend. Seitdem müssen alle in diesen Ländern verkauften Neuwagen und Kleintransporter mit automatisierten Notrufsystemen ausgestattet sein, die automatisch nach Auslösen eines Airbags bzw. manuell über im Armaturenbrett integrierte Tasten einen Notruf absetzen können. 

Leben retten – mit und ohne Auftrag

Bei einem Unfall bauen diese Systeme, die unter der Bezeichnung eCall in Europa und ERA‑GLONASS in Russland laufen, automatisch einen Sprachanruf zu der entsprechenden Notrufnummer auf. Dabei senden sie ein Datenpaket mit wichtigen Informationen an die Rettungsdienste, darunter die Position des Fahrzeugs, egal ob der Notruf nun automatisch oder manuell ausgelöst wurde, den Fahrzeugtyp, die Fahrtrichtung und optional die Anzahl der Passagiere.

Angesichts der offensichtlichen Vorteile des Dienstes haben viele Automobilhersteller auf der ganzen Welt auch ohne eine derartige Verpflichtung Notrufdienste bereits in ihre Flotten implementiert. Während alle derzeit auf dem Markt befindlichen Lösungen das Endziel verfolgen, Leben zu retten, haben das Fehlen international abgestimmter Standards und Unterschiede im rechtlichen Umfeld jeder Region zu einer Vielzahl von Ansätzen geführt, die alle auf das gleiche Ziel ausgerichtet sind.

Nehmen wir einmal das Beispiel USA, wo Notrufdienste typischerweise als proprietäre Services angeboten werden. Wie in Europa sind sie mit einer minimalen Datenmenge gebündelt, die zur Beschleunigung von Rettungsaktionen beitragen. Ein wichtiger Unterschied liegt darin, dass die automatische Anwahl von E‑911 (enhanced 911) allgemein verboten ist. Daher werden eingehende Anrufe typischerweise von spezialisierten Call Centern überprüft, bevor sie ggf. an die örtlichen Notrufdienste weitergeleitet werden.

In China ist die Situation ganz ähnlich. Dort gehen normale Sprachanrufe an ein Call Center, von dem sie bei Bedarf an Notrufdienste weitergeleitet werden. Japan andererseits befindet sich näher an einer standardisierten Lösung, bei der ein TCP/IP‑basierter Anruf parallel zum Sprachanruf erfolgt und ein Datenpaket mit entsprechenden Daten gesendet wird.

Die Daten, die schlussendlich an Notrufdienste übertragen werden, dienen alle demselben Zweck: Sie geben den genauen Standort des Unfalls sowie Informationen zu Hersteller, Modell und Farbe des Autos zur schnellen Identifikation an sowie grundlegende Parameter des Unfalls (falls der Notruf durch ausgelöste Airbags erfolgt ist). Der Sprachanruf wird als optional angesehen, während das Datenpaket ggf. Notfallmassnahmen auslöst. Ein Gespräch mit den Fahrzeuginsassen kann zusätzliche Informationen bringen und ihnen beruhigend versichern, dass Hilfe auf dem Weg ist.

Per Gesetz verbunden

Unabhängig von den Details ihrer Umsetzung bauen in Fahrzeugen installierte eCall‑Systeme auf derselben Grundlage auf: einem GNSS‑Empfänger, mit dem die genaue Position des Fahrzeugs ermittelt wird, und einem Mobilfunkmodul mit einem In‑Band‑Modem oder TCP/IP‑Datenmodus, mit dem Daten begleitend zu einem Sprachanruf gesendet werden können. Beispiel dafür ist die Modemreihe u‑blox SARA‑G3.

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Und angesichts der Tatsache dass der russische ERA‑GLONASS- und der europäische eCall‑Dienst gesetzlich vorgeschrieben sind, sind alle Neufahrzeuge, die vom Band rollen, um in Europa verkauft zu werden, vernetzte Fahrzeuge. Und nicht nur das: Die Infrastruktur, die diese Dienste ermöglicht, bildet das Rückgrat von neuen, hochwertigen Diensten, wie etwa bCall, für einen Pannennotruf (Breakdown Services). Vorstellbar wären auch cCall für Concierge‑Dienste, das ausgewählten Fahrzeugeigentümern alle möglichen Services vom Parkdienst (Valet Parking) bis hin zu Opernkarten bietet.

Für weitere Informationen zur Implementierung von eCall, ERA‑GLONASS und anderen Notrufsystemen im Automotive‑Bereich nehmen Sie Kontakt zu einer u‑blox Verkaufsniederlassung in Ihrer Nähe auf.